Während die Kirche geglaubt hatte, mit Jan Hus auch sein Gedankengut ausgelöscht zu haben, löste die Verurteilung und Hinrichtung von Hus in seiner Heimat Proteste und eine intensive Auflehnung von Adel und Volk gegen die königliche und kirchliche Macht aus, die zu den Hussitenkriegen von 1419 - 1436 führte. Statt die Lage zu beruhigen, machte das Konzil von Konstanz Hus zum Märtyrer.
In Konstanz beschäftigte man sich mit den Ideen von Jan Hus zunächst wieder im 16. Jahrhundert im Laufe der Reformation, bis diese und mit ihr die Erinnerung an Jan Hus im Zuge der Gegenreformation ausgelöscht wurden. Mit der Durchsetzung der Aufklärung und der beginnenden Säkularisierung wandte man sich in Konstanz erneut der Geschichte von Jan Hus zu. Zur Erinnerung an den Reformator brachte die Stadt an einem Haus am Schnetztor eine Jan-Hus-Büste an. 1862 weihte sie den sogenannten „Hussenstein" als Denkmal ein, der sich zur Pilgerstätte entwickelte. Nur wenige Jahre später wurde zu seinem Gedenken die St.-Pauls-Gasse in Hussenstraße umbenannt und auf Initiative der tschechischen Vereine in Deutschland eine Gedenktafel an der mutmaßlichen Herberge von Jan Hus angebracht.
1923 wurde die Prager Hus-Museum-Gesellschaft Eigentümerin des Gebäudes, in dem 1965 eine Jan-Hus-Gedenkstätte und 1980 das Hus-Museum etabliert wurde. 1984 unterzeichneten Konstanz und Tábor den Vertrag ihrer Städtepartnerschaft. 2007 eröffnete die Stadt Konstanz das Deutsch-Tschechische Begegnungszentrum gegenüber dem Hussenstein.

